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NKC Duisburg  90/04   Das Original

Der Verein mit dem Original Medien-Hoppeditz

Quo vadis Karneval?

Auch wenn wir unseren Veranstaltungsbetrieb eingestellt haben, verfolgen wir doch mit Interesse, was sich im karnevalistischen Umfeld unserer Stadt tut.

Nachdem das Hoppeditzerwachen ins Wasser fiel, findet der Rosenmontagszug nun ja wohl doch statt. Gestrichen wurde hingegen eine uralte Tradition, nämlich der Rathaussturm der Möhnen zu Altweiber. Sicherheitsbedenken hieß es. Hallo, seit wann gibt man denn in Duisburg was auf Sicherheitsbedenken? Und selbst wenn: Falls dann doch etwas passiert, ist doch eh keiner Schuld, nicht wahr Herr Sauerland? Der wahre Grund für die Absage dürfte eher sein, dass dann das Stadtoberhaupt für einen Tag seine „Fluchtburg Rathaus“ hätte verlassen und sich woanders verkriechen müssen. Denn einmal im Leben Ketchup im Gesicht reicht ja, oder?

Eine Tageszeitung hat eine neue Idee und will per Internetabstimmung den „beliebtesten“ Karnevalsverein küren lassen. Die Telekom wird´s danken, denn der Umsatz an Telefongebühren wird dank profilneu-rotischer Vorstände, die ihre Mitglieder per Rundruf auffordern, den eigenen Verein zu wählen, sprunghaft ansteigen. Wie wär´s denn mal damit gewesen, den Verein mit dem besten Niveau zu küren? Z.B. Vereine, die den Mut gehabt hätten, jemandem die Ehrenmitgliedschaft abzuerkennen, der sich im Nachhinein als charakterlich ungeeignet herausgestellt hat? Aber gibt es solche Vereine? Nein, ganz im Gegenteil. Da liest man im aktuellen Sessionsheft der KG Grün/Rot Neudorf einen Nachruf auf die 21 Toten der Loveparade. Eigentlich eine achtenswerte Geste. Aber nun kommt der „Knaller“: Im gleichen Heft findet sich auf Seite 3 das Grußwort eben jenes Mannes, der bis heute nicht die menschliche Größe aufbringt, in Form seines Rücktritts die politisch-moralische Verantwortung für die Katastrophe zu übernehmen. Hallo, wie zynisch, um nicht krank zu sagen, ist das denn? Ein Schag ins Gesicht der Angehörigen der Opfer und der vielen Verletzten. Es ist ja schon der Hammer, dass ein Herr Sauerland rund ein halbes Jahr nach der Katastrophe überhaupt schon wieder locker-flockige Grußworte für Karnevalsvereine verfasst. Gewissen? Fehlanzeige!

Im gleichen Sessionsheft findet sich auch eine Notiz, dass der Präsident des HDK (für Laien: Hauptausschuß für den Duisburger Karneval) in seiner Laudatio zum 20-jährigen Bestehen der Gesellschaft sich ein paar abfällige Bemerkungen über die Personen nicht verkneifen konnte oder wollte, die den Verein gegründet und mehr als 1 ½ Jahrzehnte verantwortlich geleitet haben. Ein feiner Charakterzug über Leute abfällige Bemerkungen zu machen, die nicht anwesend sind und sich somit auch nicht wehren können. Hallo Herr Malsch, schon vergessen, dass der Verein, den Sie heute so hofieren, ohne diese Personen gar nicht existieren würde? Schon vergessen, dass Sie eben jene Personen rund ein Jahrzehnt lang jedes Jahr  ”gebeten” haben, Ihnen zur Prunksitzung neben ihrer Pressekarte noch zwei Ehrenkarten (natürlich kostenlos) zu überlassen, damit ihre Mutter und ihre Lebensgefährtin einmal im Jahr die Ehre hatten, mit bekannten TV-Stars an einem Tisch zu sitzen? Schon vergessen, dass es eben jene Personen waren, der Sie eine Einladung zu einem kostenlosen Wochenende auf Helgoland zu verdanken hatten? Damals schien ja wohl doch nicht alles so falsch gewesen zu sein, zumindest so lange man selber davon profitiert hat. Als Journalist sollte man eigentlich neben einem Kurzzeit-Gedächtnis auch über ein mittel- bzw. langfristiges verfügen.

Noch eine Anmerkung zu dem Verein mit dem 20-jährigen Jubiläum. Da rühmt man sich, dass man die Mitgliederzahl „unter neuer Leitung“ von 40 auf nunmehr über 100 gesteigert habe. Wir haben zu unserer Zeit mit nur 40 Mitgliedern jedes Jahr 2555 € für karitative Zwecke aufgebracht. Heute, bei über 100 Mitgliedern sind es immer noch (nur) 2555 €! Noch Fragen? Wie war das mit der Volksweisheit von Klasse und Masse?

Alles in allem bestärken uns derartige Charaktere, dass unser Entschluss, sich aus dem karnevalistischen Veranstaltungsleben zurückzuziehen, vollkommen richtig war. Solch ein Niveau ist unter unserer Würde.

Allen aufrichtigen Karnevalisten, die gottlob noch in der Mehrheit sind, wünschen wir eine heitere, unbeschwerte und erfolgreiche Session.